Integrative Pädiatrie: komplementäre Therapien für junge Patientinnen und Patienten

Sanfte Gesten, heilende Öle und wohltuende Umschläge: Was auf den ersten Blick nicht in den Spitalalltag zu passen scheint, ist wichtiger Bestandteil der Behandlungen des Zentrums für integrative Pädiatrie des HFR.

„Das kannte ich alles vorher nicht” ‒ „Ich war erstaunt, dass solche Behandlungen im Spital angeboten werden”: Adeline und Roxanne sind Mütter von Säuglingen, die am HFR behandelt werden, unter anderem mit komplementären Therapien.

Der zwei Wochen alte Maël muss wegen einer Bronchiolitis 12 Tage im Spital bleiben. Seine Behandlung wird durch komplementärmedizinische Anwendungen ergänzt: Er erhält einen Brustumschlag mit Quark, danach wird ihm eine Bienenwachsfolie auf die Brust gelegt, tagsüber mit Thymian, nachts mit Lavendelöl. „Er hat sehr gut darauf angesprochen, es hat ihn entspannt”, erklärt seine Mutter Roxanne. „Ausserdem hat es mir das Gefühl gegeben, dass ich etwas machen kann, um die Symptome zu lindern, anstatt nur zu warten.” Denn das Warten ist schwer für Roxanne, die zusehen muss, wie ihr kleiner Junge Sauerstoff erhält und über eine Nasensonde ernährt wird.

Auch ihre kleine Namensvetterin, die ein Monat alte Roxanne, bekommt einen Brustumschlag mit Lavendel. Das Öl lindert den Husten und hilft beim Schlafen. Der Bienenwachswickel mit Thymian, der den kleinen Patienten unter einem kleinen Schafwollkissen auf die Brust gelegt wird, wirkt ebenfalls wohltuend, wenn die Lunge verschleimt ist. Dank der Wärme, die zwischen der Wolle und dem Körper zirkuliert, werden die Substanzen im ganzen Körper verteilt, wie Romy Schneider erklärt. Sie ist Pflegefachfrau in der Neonatologie und spezialisiert auf anthroposophische Pflege. Der Thymian hilft, den Schleim zu verflüssigen und abzuhusten. Adeline, die Mutter von Roxanne, war sofort überzeugt: „Ich habe nicht gezögert. Es ist eine gute Option, denn für so kleine Babys gibt es nicht viele Medikamente.” Auch Adeline vertraut auf die Anwendungen: „Ich habe gesehen, dass es ihr gutgetan hat.”

 

„Positive Behandlungen” als Ergänzung zu konventionellen Methoden

„Wir wenden immer sehr geringe Dosen an”, erklärt Romy Schneider, welche die kleinen Patienten in der Neonatologie behandelt und die Eltern zu den Anwendungen schult, wenn sie es wünschen. „Wir können unterstützende, beruhigende und positive Behandlungen anbieten, das ist ein Mehrwert für unsere Pflegearbeit.”

Die komplementären Therapien, die in erster Linie aus äusseren Anwendungen bestehen, werden allen Patienten angeboten, insbesondere bei Erkrankungen der Atemwege. „Sanfte Berührungen, warme Wickel und Umschläge erweitern unser Leistungsangebot, sind aber immer eine Ergänzung zu konventionellen Behandlungen”, betont Dr. med. Benedikt Huber, Leitender Arzt des Zentrums für integrative Pädiatrie.